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Die TERFs und andere Probleme der Femminismusdebatte

bentonreiter
28. Jan. 2022
5 Min. Lesezeit

(Disclaimer: Dieser Beitrag enthält viel persönliche Meinung. Betrachtet ihn als eine Kollumme, nicht als einzige Wahrheit) In letzter Zeit haben die TERFS, die trans exclusive radical Feminists, wieder viel von sich reden gemacht. Dabei sind sie nur die Spitze des Eisbergs, oder besser gesagt die logische Eskalation einer Entwicklung von etwas, was sich in letzter Zeit vermehrt beobachten lässt und mich persönlich sehr beunruhigt. Immer mehr feministische Strömungen haben ein Narrativ- Problem. Sehen wir uns die TERFS doch einmal genauer an. Sie fürchten sich nicht vor echten Transfrauen. Das wären ja Frauen und diese haben weibliche Interessen. Sie fürchten sich vor Männern, die sich als Transsexuelle ausgeben könnten, um in weibliche Schutzräume einzudringen. Spielt dabei noch eine transphobe Komponente mit, die die Existenz von Transpersonen verleugnet, so landen wir bei der Haltung: Böse Männer geben sich als Frauen aus, die in unsere Privatsphäre eindringen wollen und uns diverse Dinge antun wollen. Und überhaupt sind Männer in Radikalfeministischen Strömungen stets die Bösen. Männern wird untersagt, sich zu feministischen Themen überhaupt zu äußern. Diese Haltung ist natürlich albern. Ich darf mich ja auch zum Thema Tierhaltung äußern, auch wenn ich keine Kuh bin. Überhaupt muss die Feminismusdebatte in der ganzen Gesellschaft geführt werden, geht es doch um eine Umstrukturierung dieser. Hier hingegen kommt es zu einer Darstellung, bei der aus einem Kampf für Frauen ein Kampf gegen Männer wird. Das ist die Schaffung eines Feindbildes vom feinsten, eines Narratives, den wir sonst vor allem aus totalitären Systemen und Ideologien kennen.

Zum Glück finden derartige Extreme eher wenig Zulauf und werden von großen Teilen der Feministen nicht als Teil der Community gesehen. Doch das Feindbild Mann taucht auch wesentlich subtiler auf. Vor einer Weile machte das Thema Häusliche Gewalt die Runde. Das ist gut. Wir sollten viel mehr darüber reden, denn wenn man aus einem behüteten Umfeld stammt, kann man sich gar nicht vor stellen, wie weit verbreitet es ist. Ein Kritisiert wurde in dem Zug die Wortwahl der Berichterstattung en, die oft von Beziehungsdramen und dergleichen spricht. Diese Kritik ist mehr als Sinnvoll. Ein Mord sollte nicht schöngeredet werden, er muss öffentlich als solcher benannt werden. Dann tauchte im Ramen dieser Diskussion plötzlich ein neuer Begriff auf: das Femizid, also ein gesonderter Begriff für Frauenmord. Dieser Ausdruck ist problematisch. Er impliziert, dass die Tötung einer Frau einen besonderen Stellenwert hat, demnach anders zu beurteilen ist als der Mord an einem Mann. Auch wenn deutlich mehr Frauen durch Männer zu Tode kommen, als umgekehrt, wiederspricht eine derartige Trennung der Sachverhalte den Prinzipien von Gleichstellung und Gleichberechtigung. Ein anderes Beispiel, welches die Darstellung Männer greifen Frauen an noch deutlicher in die Öffentlichkeit trug, waren die Stimmen, die nach einigen Übergriffen in Großbritannien nächtliche Ausgangssperren für Männer forderten. Das ist noch auf ganz anderer Ebene problematisch, denn es stigmatisiert und vor allem Bestraft eine riesige Bevölkerungsgruppe aufgrund des Fehlverhaltens einiger weniger. Mal ganz abgesehen davon, ist im dunkel draußen herumzulaufen bei weitem nicht so gefährlich, wie es dargestellt wird. Die meisten sexuellen Übergriffe geschehen durch Familie und Bekannte. Nur ein sehr geringer Anteil wird durch Fremde verübt. Und bei denen ist es statistisch gesehen wieder sehr viel wahrscheinlicher, auf der Party unter Drogen gesetzt zu werden als auf dem Weg nach Hause. Ich weiß, Angst ist nicht immer Rational, und ich; auf dem Land allein unter Jungs großgeworden hab irgendwie nie Angst vor der Dunkelheit entwickelt. Es liegt mir fern, mich über jene Lustig zu machen, die Angst haben, Politik und Entscheidungen in diesem Bereich müssen aber auf Fakten basieren. Und Panikmache hat noch nie irgendwem geholfen.

An anderer Stelle wurde alter weißer Mann zu einer Beleidigung, ja zum Symbol des falschen Konservatismus. Das ist doppelt falsch. Zum einen impliziert dass, das frauenfeindlicher Konservativismus vor allem durch Weiße verbreitet wird. Allerdings dürften sich alle vernünftigen einig sein, dass es ein globales Phänomen ist. Außerdem kann ein Mensch weder etwas dafür, dass er weiß, noch dass er alt oder Männlich ist. Auch hier wird eine ganze Bevölkerungsgruppe zum Feind erklärt, während eigentlich nur ein kleiner Anteil jener Gruppe es tatsächlich ist. Die Feindbildschaffung findet also nicht nur in den radikalen Strömungen statt, die sie öffentlich hinausposaunen. Am Anfang fand ich persönlich auch das Wort Feminismus unglücklich. Als ich es das erste mal hörte bzw. das erste mal bewusst nach dem Thema gefragt wurde klang es für mich so fürchterlich nach Matriachart. Daran habe ich mich allerdings inzwischen gewöhnt, denn es ist zu einem allgemein Akzeptierten Begriff geworden. Auch wenn ich immer noch lieber von Gleichberechtigung spreche.

Worauf will ich mit dem Ganzen hier eigentlich hinaus? Ein Kampf für die Frauen darf nicht zu einem Kampf gegen Männer werden. Das kann gar nicht funktionieren, denn eine Emanzipation der Frauen in manche Bereiche führt irgendwann zwangsläufig zu einer Emanzipation der Männer in andere. Und wir fordern Ja ein Umdenken der Männer im Bezug auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Natürlich gibt es einzelne Männer, die durch Ihren Standpunkt Feind des Feminismus sind, die sich gegen jede Änderung sträuben und auf einem gefährlich konservativem Weltbild beharren. Sonst wäre der ganze Feminismus Ja gar nicht nötig, und Frauen hätten es im Schmitt im Leben nicht schwerer. Diese besiegen wir aber nur, wenn wir die Gesellschaft als ganze davon überzeugen, dass diese Meinung falsch ist.

A pro Pros Emanzipation der Männer. Dieser Teil könnte zwar der etwas weniger wichtige, aber durchaus schwierigere Teil des ganzen Unternehmens werden. Wir verlangen zunächst einmal ein Umdenken der Männer im Bezug auf Frauen, erwarten also eine Änderung des Denkens über jemanden anders. Frauen können das auch. Frauen verdienen das auch, etc. Eine Frau die sich in eine Männerdomäne begiebt, muss sich ihren Respekt dort meist erarbeiten, erhält dabei aber Unterstützung von Ihresgleichen. Ein Mann in einer Frauenwelt wird von anderen Männern eher diffamiert, und hat Z.B. in der Kinderpädagogik häufig mit Vorurteilen zu kämpfen, dass seine Entscheidung aufgrund von sexuellen Motiven getroffen wurde. Und diese Angriffe kommen aus der ganzen Gesellschaft. Hier braucht es also zwei Dinge, die Gesellschaft muss ihre Vorurteile den Männern gegenüber abbauen und die Männer müssen ihr Wertesystem, ihr Denken über sich selbst ändern. Das ist Wesentlich schwieriger, als seine Meinung über jemand anderen zu ändern. Dabei ist dieser Punkt so unglaublich wichtig, denn mit ihm geht die Wertschätzung für so viele Dinge einher, die Heutzutage als leichter Frauenkram gelten. Bei vier Kindern ist Hausfrau durchaus mal ein Vollzeitjob, der gleichermaßen anstrengend und erfüllend sein kann wie der eines Architekten. Erzieher können ein gutes Gleichgewicht in Kindergärten Schaffen und auch Männer ein Auge für Mode und Haare haben, ohne dass es ihre sexuelle Orientierung beeinflusst. Lasst uns also weiter Kämpfen. Für eine Welt der Gleichberechtigung. Für eine Gesellschaft, die keinen Feminismus mehr braucht. Denn dasist das eigentliche Ziel, was wir nicht aus den Augen verlieren dürfen.

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