Ich habe jetzt einen Blog - aber warum eigentlich?
Es war einmal ein kleines, blondes Mädchen aus dem Rheinland, das wollte gerne Kapitän werden… Sollte ich jemals in die Verlegenheit kommen, meine Biografie zu schreiben, wird sie wohl so beginnen. Hoffentlich wird es nicht so weit kommen, denn auch wenn ich eine abenteuerlustige Person bin, muss mein Leben nicht so aufregend werden, dass es ein ganzes Buch füllt. Zumindest kein gutes. Da ich aber doch gerne schreibe lag die Idee mit dem Blog irgendwie nah. Und da ich dann auch noch meine große Klappe auf Twitter ein wenig zu weit aufriss... Aber der Reihe nach. Denn so einfach sollte das gar nicht werden. Warnung, es folgt ein längerer Infodump autobiografischer Natur!
Zunächst einmal stießen meine Pläne nicht unbedingt auf Begeisterung, vor allem bei meiner Mutter. Sie hatte eine ziemlich dunkle Vorstellung von der Welt da draußen auf dem Schiffen, die auch geprägt war von einigen skurrilen und zum Teil unschönen Erlebnissen, die ihr älterer Bruder gemacht hatte. Dieser war zu einer anderen Zeit als Maschinist unterwegs gewesen. Auf jeden Fall wurde die ein oder andere seltsame Behauptung aufgestellt und es entstand irgendwie das Bild: Jemand wie du – weiblich, hübsch, zierlich – würde dort nicht überleben. Wörtlich gemeint. Und mit etwa 13 glaubt man so einiges, zumal meine Mutter stets in allen sonstigen Dingen sehr unterstützend war und ich nicht gerade dazu erzogen wurde, weiblichen Stereotypen zu genügen. Nun ja, ich wurde älter und begann mich für andere Dinge zu interessieren und setzte mir irgendwie in den Kopf, dass ich gerne zur Marine wollte. Mag widersinnig klingen, aber es schien mir als Frau etwas leichter, schließlich sind dort die Crews wesentlich größer, man ist also nicht die einzige und die Leute, mit denen man dort zu tun hat, sprechen alle dieselbe Sprache und stammen alle aus meinem Kulturkreis. Hui, das klingt reichlich rassistisch, wenn ich das so im Nachhinein so betrachte. Da ich tendenziell eher pazifistisch erzogen wurde hielt ich damit gleich hinter dem Berg. So weit so gut mag man denken, aber dann kam es ganz anders. Kurz vor meinem Schulabschluss zog ich mir eine schwere Verletzung am Nacken zu, bei der ungewiss war, wie weit sie wieder heilen würde und wie lange das dauern sollte (Es wurden am Ende etwa 1,5 Jahre). Ich würde also nicht zur See fahren, weder bei der Marine noch sonst irgendwo. Ich landete also im Maschinenbau, spezialisierte dort Schiffstechnik und landete in Rostock. Es war durchaus sehr interessant, Wissenschaft und Technik waren immer mein Ding gewesen, doch im Hinterkopf blieb der Wunsch, zur See zu fahren. Irgendwie reifte so der Plan, ich mache meinen Bachelor fertig und gehe dann damit zur Marine. So weit so gut, mag man meinen, und ich war fast fertig, als ich das ganz vor der Zielgerade vor die Wand fuhr. Mit anderen Worten, ich viel endgültig durch eine Prüfung aus dem Grundstudium. Da sind einige verschiedene Faktoren für verantwortlich gewesen, ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen. Das war auf jeden Fall sehr unglücklich, schließlich fehlten mir ansonsten nur noch die Bachelorarbeit und ein Praktikum. Was erst eine riesen Katastrophe war stellte sich schnell als das beste heraus, was mir je passiert war. Es gab keine Diskussion, wenn ich nochmal studieren gehe, dann Nautik. Ich hatte in meiner Zeit hier am Wasser den ein oder anderen Seefahrer kennengelernt, unter anderem auch ein Mädel in meinem Alter. Und wenn ich mich, meine große Klappe und so weiter betrachte, war mir klar: Das was die Schaffen, schaffst du alle mal. Ich bin nun im zweiten Theoriesemester und lerne mit einer nie dagewesenen Begeisterung. Ich fühle mich wohl unter den Leuten und merke erst jetzt im Nachhinein, wie sehr Plan B alles davor doch war.
Uff, das ist sehr viel ausführlicher geworden, als ich gewollt hatte. Entschuldigung. Nun aber zurück zu dem Thema Blog und warum das Ganze. Als Seefahrer bin ich noch so grün hinter den Ohren wie nur irgendwas. Auf den ersten Blick scheint es also widersinnig, dass ich schon viel dazu zu sagen hätte. Allerdings merke ich immer wieder, wenn ich Leuten erzähle, was ich tue, wie wenig Ahnung sie von dem ganzen Bereich haben. Seefahrer leben aus den Augen, aus dem Sinn. Auch wenn wir alle von ihnen abhängig sind, werden die meisten nie in ihrem Leben direkt mit ihnen interagieren. Dabei gibt es so viel, was man von ihrem ungewöhnlichen Lebenswandel verstehen sollte. Es gibt auch viele Missstände, die schon aufgrund der Natur der Sache nur International gekontert werden können. Aber die Menschen wissen nichts davon. Es geschieht hinter verschlossenen Luken. Dabei sollte nicht alles, was auf den Schiffen geschieht, auch dort bleiben. Ich möchte hier erzählen und euch auf meinem persönlichen Werdegang mitnehmen, der sicherlich nicht einfach wird. Ich möchte hier Artikel schreiben und Aufklären, rund um Seefahrtthemen, die guten und die schlechten. Und für die Neugierigen Kurioses und wissenswertes rund um die Seefahrtpraxis und Technik niederschreiben. Und das alles mit der Neugierde, Faszination und auch dem Idealismus eben jenes Neulings, der ich bin. Und wenn ich das jetzt so betrachte, habe ich mir da einen riesen Haufen Arbeit aufgehalst. Aber hey, wenn ich bis jetzt eins gelernt habe: Das Leben mag einem Steine in den Weg legen, aber je nach Bedarf kann man damit auch ein Haus bauen oder sie auf seine Feinde werfen. Je nach dem, was man gerade braucht. Themenwünsche nehme ich gerne entgegen, vorzugsweise auf Twitter.


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